Gamechanger oder nicht?
Auf dem 4. E-Rezept Summit von scanacs Ende Juni bezeichnete Moritz Eckert, Facharzt für Allgemeinmedizin, den neuen Einlöseweg als „Gamechanger". Die E-Rezept-App der Gematik sei häufig nicht verfügbar, da Patienten oft keine PIN von ihren Krankenkassen erhielten. Auch Hannes Neumann, Produktmanager bei der gematik, war auf der Veranstaltung der Meinung, die eGK-Stecklösung könne bei der Einführung des E-Rezepts ein Schlüsselfaktor für eine höhere Akzeptanz werden. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL ) den Rollout des E-Rezepts in ihrer Region aufgrund des fehlenden „dritten Einlösewegs" Ende letzten Jahres ausgesetzt hatte, soll dieser nun wieder aufgenommen werden. Im April schätzte Jakob Scholz, der den Geschäftsbereich IT und Digital Health der KVWL stellvertretend leitet, die Wiederaufnahme des Rollouts und die flächendeckende Etablierung bis zur verpflichtenden Anwendung ab 2024 als Herausforderung ein. Im Interview mit der Ärztezeitung erklärte er, dass es zuerst einmal wichtig sei, Wissen darüber zu erlangen, ob die eGK-Stecklösung in Verbindung mit den Apotheken- und Praxisverwaltungssystemen funktioniere und der Prozess den Reifegrad habe, um den Praxen eine niedrigschwelligere Anwendung zu ermöglichen. Man könne keiner Praxis vermitteln, eine neue, digitale Technologie zum Einsatz zu bringen, die am Ende mehr Aufwand, mehr Zeit und mehr Kosten verursacht. Den bisherigen Prozess des E-Rezepts, also den Weg über die App oder den ausgedruckten Token, bezeichnete er als „sperrig".